Die 4. Wirtschaftsgespräche in Baienfurt waren ein Erfolg

Oliver Spraul |

Zu seinen 4. Wirtschaftsgesprächen geladen hatte der WBB Baienfurt-Baindt am vergangenen Donnerstag. Rund 130 Besucher bestätigten trotz grassierender Grippewelle mit ihrem Besuch, dass das Konzept der WBB-Macher aufgeht, regelmäßig prominente Redner zu aktuellen Themen einzuladen. War es vor einem Jahr der Wirtschaftspublizist Oswald Metzger, fanden in diesem Jahr der Minister für Justiz und Europaangelegenheiten, Guido Wolf MdL und Rainer Mutschler den Weg in die Baienfurter Festhalle.

Marketing war das Thema, mit dem der Manager der Ravensburger „Towerstars“ den Abend eröffnete .„Wer nicht wirbt der stirbt“, lautet sein Credo, das er mit entsprechenden Beispielen aus seiner langjährigen Praxis als Nationaltrainer beim Deutschen Skiverband und als Geschäftsführer beim VfB Stuttgart unterlegte. Mit Aussagen wie der, dass 50 Prozent der Werbung umsonst seien, dass man aber im Voraus nie nicht wisse, welche 50 Prozent es seien, bewies Mutschler dabei immer wieder aufs Neue, dass Wissen nicht langatmig transportiert werden muss um die gewünschte Wirkung zu erreichen.

Wichtig ist Mutschler, dass man sich als Sportler wie als Unternehmer immer den Mut bewahrt, Neues auszuprobieren. Er selbst ist dafür das beste Beispiel: nach abgeschlossener Banklehre, Cheftrainer im alpinen Skisport und als erfolgreicher Unternehmer beim Vermarkten der „Marke VfB“ stürzte er sich im vergangenen Jahr in das „Abenteuer Towerstars“, das er nach seinen Worten noch keinen Moment bereut habe.

Leidenschaft, Visionen und ein klares Ziel vor Augen sind aus seiner Sicht die besten Zutaten für erfolgreiches Handeln, nicht zuletzt aber auch die Bereitschaft, ein mögliches Scheitern zu akzeptieren, denn daraus könne man „oft noch mehr lernen als aus dem Erfolg“. „Seien Sie kreativ, bürsten Sie die Dinge auch mal gegen den Strich, bleiben Sie vor allem offen für alles Neue“, gab er seinen Zuhörern mit auf den Weg. Wahrgenommen werde nämlich nicht die „graue, unscheinbare Maus“, sondern der Anbieter, der Profil zeige, im sportlichen Bereich wie im unternehmerischen.

Dass ein klares Profil, Leidenschaft und Überzeugung erfreulicherweise auch in der Politik zu finden sind, bewies Minister Guido Wolf in seinem anschließenden Vortrag, bei dem er mit klaren Aussagen und einem erfrischend launigen Vortrag den Appell seines Vorredners aufgriff und Werbung im besten Sinne machte für ein vereintes und handlungsfähiges Europa. Die EU, so Wolf, ist eben nicht ein theoretisches und blutleeres Konstrukt, sondern die einzige Chance, im Welthandel überhaupt gesehen zu werden. „80 Millionen Deutsche bei 8 Milliarden Weltbevölkerung – wer soll denn uns alleine überhaupt wahrnehmen?“ beschrieb der bekennende Europäer Wolf griffig das Grundübel postmoderner Kleinstaaterei. Gerade der Mittelstand habe erst mit einem vereinten Europa im Rücken überhaupt eine Chance, sich auf dem Weltmarkt zu etablieren. Die Vertretung des Landes in Brüssel sei deshalb im besten Sinne Marketing für die baden-württembergischen Unternehmen und oft genug fänden entsprechende Verhandlungen erst in den Nachsitzungen in der dortigen „Schwarzwaldstube“ ihren erfolgreichen Abschluss, freute sich Wolf über die große Akzeptanz der Landesvertretung im Brüsseler EU-Viertel.

Dass EU-Fördergelder an rechtsstaatliche Prinzipien gekoppelt sein müssen, ist für den Juristen Wolf ebenso selbstverständlich wie seine unmissverständliche Absage an alle nationalistischen Strömungen innerhalb der EU. Dass Wolf im Übrigen auch keinerlei Probleme mit dem Zuschnitt seines Ministeriums hat, das bekanntlich auch für den Tourismus zuständig ist, belegte er mit dem launigen Hinweis, dass er als Justizminister und damit auch verantwortlich für die Justizvollzugsanstalten so gesehen immerhin Chef des größten Beherbergungsbetriebs im Ländle sei. Außerdem sei es gerade für Juristen kein Fehler, auch mal „außerhalb von Paragrafen und Gesetzestexten zu denken“, sieht sich Wolf wieder im Schulterschluss mit Marketingprofi Mutschler.

Im Anschluss an die Vorträge lud der WBB zu einem kleinen Stehempfang ein, nach Einschätzung von WBB-Chefin Angelika Söndgen ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Marketingmaßnahme zum Knüpfen und Auffrischen neuer und alter Kontakte.

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